Pressemitteilung: „Gehzeuge“ prangern Flächenverbrauch von Autos an

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Kassel, 18.09.2018. Die Gruppe Klimagerechtigkeit Kassel (KligK) sorgt heute zur Mittagszeit in der Kasseler Innenstadt mit einer Aktion zur Verkehrswende für Aufsehen. Ein Konvoi von vier sogenannten „Gehzeugen“ bahnt sich den Weg von der Holländischen Straße bis zum Ständeplatz, um mehr Flächengerechtigkeit im Straßenverkehr und den klimagerechten Umbau unserer Mobilität zu fordern. Mit ihren tragbaren Holzrahmen in der Größe eines Kleinwagens verdeutlichen sie den enormen Flächenverbrauch der Automobilität auf Kassels Straßen.

„Wir möchten mit der Aktion eine Debatte anstoßen, wem eigentlich der öffentliche Raum gehört: Den Autos oder den Menschen?“, stellt Janina Trepow von KligK als Frage in den Raum. Denn statt Erholungs- und Begegnungsflächen zu bieten, ist die meiste Fläche innerhalb der Stadt grau und trostlos. Für die Stadt Hamburg wurde im Jahr 2015 berechnet, dass allein die stehenden Autos viermal so viel Platz in Anspruch nehmen wie alle Spielplätze zusammengenommen. Knapp ein Drittel der gesamten Stadtfläche hierzulande ist mit Straßen und Parkplätzen bedeckt. „Wer Straßen sät, erntet natürlich Verkehr. Werden hingegen Rückzugs- und Begegnungsräume geschaffen, würde die Lebensqualität für alle steigen.“ Der Autoverkehr benötigt pro beförderter Person bereits ohne den Parkraum rund zehnmal so viel Verkehrsfläche wie Bahn-, Bus-, Fahrrad- oder Fußverkehr. Die Antwort auf Stauprobleme sei daher grundsätzlich nicht mehr Autoverkehrsinfrastruktur, sondern weniger, so Trepow.

„Klimagerechtigkeit und Flächengerechtigkeit gehen Hand in Hand“, so KligK-Pressesprecher Juri Nadler. „Wir können es nicht länger zulassen, dass zehntausende Autos die Straßen und damit unseren Lebensraum verstopfen. Gleichzeitig verpesten sie die Luft und katapultieren uns mitten in die Klimakrise. Wir fordern daher eine weitgehend autofreie Stadt, fahrscheinlosen ÖPNV und den massiven Ausbau von Fuß- und Radwegen. Nur so können wir die Lebensgrundlagen vor Ort und weltweit erhalten.“ Der Protest richtet sich daher gegen die schleppende kommunale Verkehrspolitik, wegen der die Menschen vom Auto abhängig bleiben.

Wer in der Stadt möglichst sicher, bequem und schnell mobil sein möchte, trifft mit dem Auto insbesondere in Zeiten von E-Bikes nur selten die beste Wahl. Mehrere Studien haben gezeigt, dass viele Menschen die Reisezeiten von Auto und Rad im Vergleich falsch einschätzen. Nicht nur zu Hauptverkehrszeiten ist das Fahrrad tatsächlich regelmäßig schneller als ein Auto.

Im Rahmen der bundesweiten Mobilitätswoche setzt die Aktionsgruppe KligK ein Zeichen für eine rasche Verkehrswende in Kassel. Eine wichtige lokale Initiative ist dabei der sogenannte Radentscheid. Noch bis Mitte Oktober können Unterschriften für das Bürgerbegehren zur Förderung des Radverkehrs in Kassel eingereicht werden.

Hintergrundinformationen zur Problematik der Automobilität finden sie hier:

Greenpeace-Studie "5 Gründe, warum Autos keine Zukunft haben",
https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/20170911_zusammenfassung_auto.pdf

Ergebnisse des Forschungsprojekts zu den gesellschaftlichen Kosten von
Verkehrsmitteln des Kasseler Verkehrsforschers Professor Sommer,
http://www.uni-kassel.de/fb14bau/fileadmin/datas/fb14/Institute/IfV/Verkehrsplanung-und-Verkehrssysteme/Forschung/Projekte/Zusammenfassung_Ausblick.pdf

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