Schlachthof-Blockade in Gudensberg

Am frühen Morgen des 27. Mai haben rund 50 Aktivist:innen vom Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie supported von KligK die Schlachtfabrik von Plukon in Gudensberg blockiert. Mit Tripod und Lock-Ons sorgten wir dafür, dass dort die routinemäßige Schlachtung von über 130.000 Hühner täglich gestört wird. Diese skrupellose Tierindustrie ist weder unter ethischen Aspekten vertretbar noch angesichts der Klimakatastrophe, die durch diese Agrarindustrie mitverursacht wird; außerdem sind die Arbeitsbedingungen menschenunwürdig.

Wir fordern daher eine Schließung der Schlachtfabrik in Gudensberg und einen umfassenden Ausstieg aus der Tierindustrie überall!

Mehr Fotos von der Aktion findet ihr auf unserem Flickr-Stream.

Hier die Pressemitteilung:

Seit den frühen Morgenstunden blockieren etwa 40 Aktivist*innen vom Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie den Hühner-Schlachthof der Firma Plukon in Gudensberg nahe Kassel. Sie fordern die sofortige Schließung des Betriebs, um Arbeiter*innen vor Corona-Infektionen zu schützen. In Anbetracht von Klimakrise und Tierleid brauche es außerdem einen umfassenden Ausstieg aus der Tierindustrie und gute Alternativen für Beschäftigte.

Gudensberg, 27.05.2021. Seit 3 Uhr heute morgen steht der Schlachthof von Plukon in Gudensberg still. Zwei Aktivist*innen sind auf ein Dach geklettert und haben ein Banner mit der Aufschrift „Shut down Tierindustrie“ heruntergelassen. Weitere Menschen haben sich auf einer Zufahrt festgekettet, eine Person sitzt in einem Tripod und etwa 20 Personen machen Sitzblockaden auf allen drei Zufahrten. Der Schlachthof, Hessens größter Geflügelschlachthof, tötet an einem normalen Tag über 130.000 Hühner.

„Wer am Schlachthof arbeitet, kann sich praktisch nicht davor schützen, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Aktuell gibt es hier in Gudensberg einen Corona-Hotspot, der in direktem Zusammenhang mit dem Schlachthof steht. Arbeiter*innen haben uns berichtet, dass sie vom Betrieb nicht für Quarantäne freigestellt wurden, obwohl sie Kontakte zu anderen Infizierten angegeben hatten. Bereits vor dem Ausbruch wurde immer wieder von nicht eingehaltenen Infektionsschutzmaßnahmen berichtet. Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Produktion muss sofort beendet werden“ sagt Friedrich Kirsch von Gemeinsam gegen die Tierindustrie.

Die Aktion selbst verläuft unter strenger Einhaltung des Infektionsschutzes, alle Aktivist*innen halten Abstand und tragen FFP2-Masken.

Friedrich Kirsch: „Schlachthöfe wie dieser bedeuten gewaltiges Leid für Tiere und massive Ausbeutung von Arbeiter*innen. Das kapitalistische Wirtschaftssystem ordnet alles dem Streben nach Profit unter. Es macht wenige Menschen reich und fügt Menschen und Tieren enormen Schaden zu. Die Produktion von Fleisch, Milch und Eiern heizt die Klimakrise an, sorgt für die Zerstörung von Regenwäldern und verursacht auch hierzulande zahlreiche Umweltprobleme. Als zweitgrößter Hühnerfleischproduzent der EU ist Plukon maßgeblich für diese Probleme mitverantwortlich. Wir brauchen jetzt einen sozial gerechten, schnellen Ausstieg aus der Tierindustrie und den Übergang zu einer solidarischen und ökologischen Produktionsweise.“

Seit Beginn der Pandemie kam es in der Tierindustrie mehrfach zu Corona-Ausbrüchen, die auf die schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen der Arbeiter*innen zurückgingen. Seit Januar 2021 gilt zwar ein Verbot von Werkverträgen. Aus Sicht von Gemeinsam gegen die Tierindustrie ist das aber nicht ausreichend.

Friedrich Kirsch: „Das Arbeitsschutzkontrollgesetz wurde von der Industrielobby und der CDU/CSU lange verhindert und dann so verwässert, dass es kaum Sanktions- und Kontrollfunktionen enthält. Bußgelder gehen bis zu läppischen 30.000.- Euro und die Schlachthöfe müssen nach bisheriger Praxis im Schnitt nur alle 30 Jahre mit einer Kontrolle rechnen. Was das Gesetz aber durchaus gebracht hat: Viele Arbeiter*innen organisieren sich nun erstmals und nehmen den Kampf auf. Wir sind solidarisch mit den Schlachthof-Arbeiter*innen in den aktuellen Arbeitskämpfen.“

Im April hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die dritte Tarifverhandlung in der Fleischindustrie für beendet erklärt, da eine Einigung an der Blockadehaltung der Fleischkonzerne scheiterte. Die Gewerkschaft NGG forderte 12,50 Euro Einstiegslohn, der sich nach der Einarbeitung auf 14,00 Euro erhöhen sollte. Die Fleischkonzerne bezeichneten dagegen 10,50 Euro Mindestlohn als ihre Schmerzgrenze.

„Konzerne wie Tönnies, PHW oder Plukon fahren mit der grenzenlosen Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur Jahr für Jahr Millionen-Umsätze ein,“ sagt Friedrich Kirsch. „Plukon machte 2020 einen Gewinn von 54 Millionen Euro. Für diejenigen, die in den Schlachtfabriken schuften müssen, sind die angebotenen 10,50 Euro der pure Hohn.“

Heute findet die vierte Verhandlungsrunde statt, laut NGG die letzte Chance, eine weitere Tarifverhandlung werde es nicht geben.

„Mit Streiks und vielfältigen weiteren Aktionen haben die Kolleg*innen gezeigt, was sie vom ‚Angebot‘ der Ausbeuter halten. Wir stimmen ein in die Kritik und fordern einen Systemwechsel: Die Konzerne der Tierindustrie müssen vergesellschaftet und die Produktion auf Pflanzenverarbeitung umgestellt werden. Für die Beschäftigten an den Schlachthöfen und in der Landwirtschaft braucht es gute Alternativen, etwa über Umschulungen und Tierhaltungs-Ausstiegsprogramme.“

Über das Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie:

Gemeinsam gegen die Tierindustrie ist ein überregionales Bündnis, das sich im Juli 2019 gegründet hat. Es besteht unter anderem aus Menschen und Gruppen aus der Klimagerechtigkeits- sowie der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Das Bündnis fordert die Abschaffung der Tierindustrie und eine Agrarwende hin zu einer solidarischen und ökologischen Produktions- und Organisationsweise, die nicht auf Kosten anderer erfolgt und nicht am Gewinn orientiert ist. Für Juli 2021 ist eine Massenaktion zivilen Ungehorsams und ein Aktionscamp gegen die PHW-Gruppe (Wiesenhof) in Niedersachsen geplant.

Hier geht’s zur Homepage von Gemeinsam gegen die Tierindustrie, wo es auch einen Pressespiegel zur Aktion gibt.

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