Globaler FFF-Klimastreik

Überall auf der Welt sind am 19.3. wieder massenhaft Menschen mit Fridays for future auf die Straßen gegangen, um für Klimagerechtigkeit zu demonstrieren und klar zu machen, dass die Bekämpfung der Klimakatastrophe drängender denn je ist. In Deutschland gab es (coronakonformen) Protest in über 250 Städten. In Kassel waren wir über 700 Menschen bei einer Fahrraddemo quer durch die Stadt.

Hier ein paar Impressionen:

Und hier noch zwei Redebeiträge, die von von uns gehalten wurden:

Einmal zum Thema Erdgas und der Initiative GasExit:

Auch in Zeiten der globalen Pandemie, gönnt uns die Klimakrise keine Pause.

Die Erde heizt sich ununterbrochen weiter auf und die weltweiten Emissionen gehen nicht zurück. Einen wesentlichen Anteil daran hat die fossile Energieversorgung aus Kohle, Erdgas und Öl. Dass die Verbrennung von Kohle ein Klimakiller ist, wird kaum noch bestritten, auch wenn der Kohleausstieg viel zu lange dauert. Deutschland geht hier mit schlechtem Beispiel voran. Doch im Windschatten der Kohle, erlebt ein anderer fossiler Energieträge derzeit einen grün gewaschenen Aufschwung. Die Rede ist vom angeblich sauberen Erdgas. Dabei ist Erdgas über einen Zeitraum von 20 Jahren betrachtet, ein noch größerer Klimakiller als Kohle.

Wir haben als Klimagerechtigkeitsbewegung nicht so lange für den Kohleausstieg gekämpft, um dafür einen Erdgaseinstieg zu bekommen! Aus diesem Grund haben wir ein neues aktivistisches Netzwerk ins Leben gerufen: GasExit. Schließt euch uns an und fordert mit uns den Einstieg in den sofortigen Erdgasausstieg. Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge! Die Zeit der fossilen Energieversorgung ist zu Ende – es ist Zeit für Klimagerechtigkeit!

Die Bundesregierung und die fossilen Unternehmen, egal ob privat oder öffentlich, tun alles dafür, fossiles Gas als alternativlos darzustellen. Der Ausbau der Erdgasinfrastuktur wird mit Milliarden subventioniert. Für die Energiekonzerne wird die Umrüstung von Kohle auf Erdgas damit zu einem lukrativen Geschäft. Die Folge ist, dass allein in Deutschland bis 2035 rund 120 neue Gaskraftwerke entstehen sollen – vor allem für die Wärmeversorgung.

Mit diesen Investitionen zementieren Bund, Länder und Kommunen die fossile Energieversorgung für die kommenden Jahrzehnte. Diese Kraftwerke dürfen, wenn wir auch nur die geringste Chance haben wollen, das 1,5°-Limit einzuhalten, nie gebaut werden! Anstatt in veraltete Technologien zu investieren, müssen jetzt die Weichen für eine erneuerbare Strom- und insbesondere Wärmeversorgung gestellt werden.

Die Bundesregierung hängt gedanklich noch in der Steinzeit fest. Dabei brauchen wir Erdgas maximal noch für Feuerzeuge! Die Zukunft besteht aus Erneuerbaren Energien und nicht aus alten fossilen Drecksschleudern!

Hier vor Ort haben wir eine besondere Verantwortung, denn in Kassel sitzt Deutschlands größtes Öl und Gasunternehmen: Wintershall Dea. Wintershall’s Einfluss reicht weit: von den Fracking-Bohrungen in Argentinien und Niedersachsen, über Gaspipelines aus Russland bis tief hinein in die deutschen und europäischen Parlamente. Derzeit bauen wir unsere Netzwerke in Deutschland und weltweit aus und schon bald starten wir unsere ersten Aktionen.

Eine echte und sozial gerechte Wärmewende ist möglich! Hierfür ist es notwendig, die lokale Wärmeversorgung umzubauen, damit Häuser und Wärmenetze nicht weiter mit Erdgas beheizt werden. Solarenergie, Windkraft und Geothermie müssen massiv ausgebaut werden und Wärmepumpen und Wärmespeicher müssen flächendeckend zum Einsatz kommen.

Gleichzeitig ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass allen Menschen bezahlbare und nachhaltige Wärme zur Verfügung gestellt wird.

Mieter*innen dürfen nicht die Leidtragenden einer verfehlten Klimapolitik werden. Im Gegenteil: Mit der Wärmewende muss auch Schluss sein mit kalten Wohnungen und überhöhten Nebenkosten.

Fossile Unternehmen, die sich jahrzehntelang auf Kosten des Klimas bereichert haben, dürfen sich jetzt beim Umbau der Wärmeversorgung nicht aus der Verantwortung stehlen, sonder müssen an den entstehenden Kosten beteiligt werden. Die Regierung ist heute aufgefordert zu handeln und nicht erst in 20 Jahren.

Statt phantasielos alte Kohlemeiler durch Gaskraftwerke zu ersetzen, brauchen wir eine sozial gerechte Wärmewende, bei der Klimapolitik und Sozialpolitik nicht gegeneinander ausgespielt werden. One struggle, one fight!

GasExit setzt sich für einen sozial gerechten Ausstieg aus der Erdgasnutzung ein. Wir werden diese verfehlte, lobbygeleitete Klimaschmutzpolitik nicht unwidersprochen hinnehmen!

Wir sind bunt, wir sind frech und wir sind viele. Wir sind Teil einer globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit. Wir sind solidarisch mit allen, die sich gegen ein weiteres Anfeuern der Klimakrise stellen und mit denjenigen, die schon jetzt massiv unter den Folgen leiden.

Wir sind hier, wir sind laut! Keep it in the ground!

Und zum Thema Tierindustrie und Plukon:

Eine aktuelle Studie zeigt auf, was passiert, wenn wir die Agrarwende verpennen: Wenn sich das globale Ernährungssystem so weiterentwickelt wie bisher, dann wird dieses allein dafür sorgen, dass die Erde um mehr als 1,5 Grad und wahrscheinlich über 2 Grad erwärmt wird – selbst wenn alle anderen Emissionen sofort gestoppt würden, also alle Kohlekraftwerke abgeschaltet, alle Fracking-Projekte gestoppt, alle Verbrenner verschrottet werden. Und ich brauche euch nicht zu sagen, wie unwahrscheinlich das ist…

Die Landwirtschaft ist für 23% der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das gesamte globale Ernährungssystem, also zusätzlich zur Landwirtschaft alle vor- und nachgelagerten Infrastrukturen wie Transport und Verarbeitung, verursacht laut IPCC sogar bis zu 37% der globalen Emissionen – mehr als ein Drittel!

Der Großteil dieser Treibhausgase stammt aus der Tierindustrie. Vor allem liegt das an dem enormen Flächenbedarf für den Anbau von Futtermitteln und für Weideflächen. Die enormen Tierbestände hierzulande sind nur möglich durch Futter, für das in Lateinamerika Regenwälder gerodet werden, das in Monokulturen angebaut wird, in Gebieten, von denen die indigene Bevölkerung gewaltsam vertrieben wurde. Auch hierzulande verbraucht die Tierindustrie enorme Flächen – häufig auf trockengelegten Mooren, mit entsprechenden Klima-Folgen. Und dabei sind nicht nur Fleischprodukte das Problem – auch Milchprodukte sind aufgrund des Flächenverbrauchs und der Methanemissionen der Wiederkäuer in der Regel extrem klimaschädlich.

Was also tun? Wie könnten wir es schaffen, das Ernährungssystem klimagerecht umzubauen?

Es ist klar: die Tierbestände müssen runter, und zwar so schnell und umfangreich wie nur möglich! Doch leider gibt es im gegenwärtigen herrschenden Diskurs keine Konzepte, wie das erreicht werden könnte.

Klar ist: Der Konsum tierischer Produkte muss runter gehen, und definitiv ist eine vegane Ernährung aus einer Vielzahl von Gründen dringend geboten. Doch wir brauchen auch dringend ein politisches Programm, wie wir die Tierbestände drastisch reduzieren können!

Das Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie hat vor zwei Wochen eine Studie veröffentlicht, wonach der Staat jährlich mehr als 13 Milliarden Euro in die Tierwirtschaft leitet. 13 Milliarden, die die Klimakrise anheizen, unermessliches Tierleid verursachen, globale Ungerechtigkeit erzeugen.

13 Milliarden, die aber auch eingesetzt werden könnten für eine ökologische und gerechte Agrarwende – ein enormes Potential!

Das Bündnis hat aufgezeigt, wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingen kann: eine Reduktion der Tierbestände um mindestens 80% bis 2030; ermöglicht durch Ausstiegsprogramme für Tierhalter*innen und durch die Vergesellschaftung von Tönnies, Wiesenhof und wie die ganzen Konzerne alle heißen. Mit den freiwerdenden Fördermilliarden könnten dann ökologische und solidarische Pflanzenbauprojekte massiv gefördert werden, auf den freiwerdenden Flächen könnten Moore wiedervernässt und Wälder aufgeforstet werden.

Was dabei für uns hier in Kassel ganz wichtig ist: Die Tierindustrie, von der hier die Rede ist, existiert nicht nur in Niedersachsen, in Nordrhein-Westfalen oder in Brandenburg. Das sind nicht nur Tönnes, Vion oder Wiesenhof. Ein Name, der uns hier in Nordhessen allen ein Begriff sein muss, ist Plukon!

Die Plukon Food Group ist der zweitgrößte europäische Hühnerfleischkonzern, mit einer Wachstumsrate von 140% in den letzten 10 Jahren. Dieser Konzern, der jährlich fast 430 Millionen Hühner schlachtet und einen Umsatz von knapp 2 Milliarden Euro macht, betreibt eine Schlachtfabrik direkt vor den Toren Kassels. In Gudensberg, keine 20 Kilometer von hier, direkt an der A49, schlachtet Plukon täglich 130.000 Hühner, jährlich sind es 28 Millionen.

Wir, die Gruppe Klimagerechtigkeit Kassel, das Tierrechtskollektiv Kassel und eine Reihe von weiteren Gruppen und Einzelpersonen, haben letztes Jahr begonnen, Aktionen gegen die Plukon-Schlachtfabrik in Gudensberg zu organisieren. Schließt euch uns an, werdet Teil unseres Bündnisses Gemeinsam gegen die Tierindustrie!

Gemeinsam machen wir die Schlachtfabrik dicht! Lasst uns dafür sorgen, dass Plukon, dass die gesamte Tierindustrie bald Geschichte ist.

Lasst uns gemeinsam auf eine gerechte Agrar- und Ernährungswende hinarbeiten, die selbstverständlich noch viel mehr umfassen muss als die Abschaffung der Tierindustrie. Radikale Agrarwende heißt hier in Nordhessen selbstverständlich auch: Der Acker Bleibt!

System Change not Climate Change!

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