KligK verurteilt die Polizeigewalt im Dannenröder Wald

Hier unsere Pressemitteilung vom 21.11.20 zu den jüngsten Vorkommnissen bei Räumung und Rodung im Dannenröder Wald:

Beim Polizeieinsatz zur Rodung des Dannenröder Forstes in Mittelhessen ist am Samstagvormittag erneut eine Person aus mehreren Metern Höhe abgestürzt. Erst letzte Woche war eine Aktivistin schwer verletzt worden, weil ein Polizeibeamter ihr Sicherungsseil durchtrennt hatte. Weil sich zwei Aktivist:innen ‚massiv‘ umarmt hätten, sei es darüber hinaus zum Einsatz von Elektroschockpistolen gekommen, teilte die Polizei Mittelhessen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Klimagerechtigkeit Kassel (KligK) verurteilt diese Polizeigewalt scharf und fordert einen sofortigen Rodungs- und Räumungsstopp!

Im Dannenröder Forst findet seit zehn Tagen ein Polizeigroßeinsatz statt, um die Fällung des alten Mischwaldes für den Weiterbau der umstrittenen Autobahn 49 zu ermöglichen. „Weil die Bäume nur bis zum Ende der Rodungssaison gefällt werden dürfen, steht die Polizei unter großen Zeitdruck! Sie räumen deswegen ohne Pause jeden Tag – auch am Wochenende!“, erklärt Noa, eine Aktivistin aus dem Wald. Dieses Vorgehen erzeuge großen Stress bei allen Beteiligten und erhöhe die Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden Fehlern enorm.

„Wir machen uns große Sorgen! Auf den Bäumen und in den Baumhäusern setzen sich gerade auch viele Menschen aus Kassel für eine gerechte Verkehrswende ein. Die Polizei gefährdet das Leben unserer Freundinnen!“ so Juri Nadler von Klimagerechtigkeit Kassel. Auch die angespannte Corona-Lage mache einen Polizeigroßeinsatz mit Einheiten aus zahlreichen Bundesländern unverantwortlich. Nach diesen Vorfällen sei ein „weiter so“ von Räumung und Rodung nicht zu verantworten. In einem offenen Brief fordern zahlreiche Menschen aus Hessen und überregionale Gruppen einen Stopp des Polizeieinsatzes.

Umwelt- und Klimaschützer:innen protestieren, weil sie eine neue Autobahn angesichts der Notwendigkeit einer Verkehrswende und der sich zuspitzenden Klimakrise für verfehlt halten. Auch Menschen aus Kassel leben aktuell in den zahlreichen Baumhausdörfern. Seit Samstag letzter Woche gibt es darüber hinaus im Tannenwäldchen in Kassel ein Baumhaus in Solidarität mit der Waldbesetzung. Auch dort führen Aktivist:innen Gespräche und Diskussionen zur A49 und zur Verkehrswende.

Hintergrundinfos zur Polizeigewalt im Dannenröder Wald:

15.11.: Ein Beamter zerschneidet ein Seil, an dem ein Tripod (dreibeinige Blockadestruktur) befestigt ist. Eine Aktivistin fällt mehrere Meter tief und kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Die Polizei gesteht nach anfänglichem Abstreiten die Schuld am Unfall ein.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1144421.rodung-im-dannenroeder-forst-demonstrant-im-dannenroeder-forst-mehrere-meter-in-die-tiefe-gestuerzt.html

16.11.: Durch unzureichenden Sicherheitsabstand fällt die Baumkrone eines gefällten Baums in eine Seil-Traverse. Nur durch Glück hält das Seil dieser Belastung statt – sonst wäre ein Mensch 25m tief gefallen.
https://twitter.com/DanniTicker/status/1328313564071944192
https://twitter.com/Druebenlife/status/1328305142777704449

20.11.: Weil sich Aktivist:innen bei der Räumung „massiv“ umarmen wird bei einer Baumhausräumung in 25 Metern Höhe eine Elektorschockpistole eingesetzt. Die Polizei bestätigt den Vorfall auf Twitter.
https://twitter.com/Polizei_MH/status/1330047040634568704

21.11.: Eine weitere Person stürzt mehrere Meter tief. Die Polizei bestätigt den Vorfall. Die Waldbesetzung dazu: „Mehrere Polizisten stiegen nacheinander auf ein markiertes Sicherungsseil in Bodennähe, woraufhin das Seil riss. Hierdurch stürzte eine Person 5m tief zu Boden.“
https://twitter.com/wsa_buendnis/status/1330061328866742272

Generell.: In den letzten Wochen häufen sich Situationen, in welchen der ‚doppelte Baumabstand‘ (Sicherheitsbereich, innerhalb dessen sich bei Fällung von Bäumen niemand aufhalten darf) nicht eingehalten wird. Polizeibeamt:innen tragen trotz mehrfacher Aufforderung immer wieder keinen Mund-Nasenschutz und gefährden damit sich und die Aktivist:innen in Zeiten der Coronapandemie.

Offener Brief mit Forderung nach einem Räumungs- und Rodungsstopp:
https://www.attac.de/fileadmin/user_upload/bundesebene/Pressegruppe/201119_Offener_Brief_Raeumungsstopp_Dannenroeder_Wald.pdf

Zahlreiche LiveStreams mit Kommentar direkt aus der Räumung:
https://twitter.com/KligK_KlimaKS

Hier findet ihr die Pressemitteilung als pdf.

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