
Am 10.11.23, dem 28. Jahrestag ihrer Hinrichtung, erinnern Aktivist*innen vom Verein Concerned Nigerians Germany e.V. und Klimagerechtigkeit Kassel (KligK) vor der Shell-Tankstelle an der Wilhelmshöher Allee 295 an die Ogoni 9.
Ken Saro-Wiwa (Schriftsteller und Umweltaktivist) starb am Galgen. Zusammen mit Barinem Kiobel, Saturday Dobee, Paul Levura, Nordu Eawo, Felix Nuate, Daniel Gbokoo, John Kpuinen und Buribor Bera, alle Aktivisten des Ogoni-Volkes im Niger-Delta (Nigeria), wurde er am10.11.1995 hingerichtet, trotz internationaler Proteste und Sanktionsdrohungen.
Ihr Verbrechen war es, friedliche Proteste gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen und Umwelt durch den Ölriesen Shell und gegen ihre Marginalisierung zu organisieren.
Das kleine Ogoni-Land ist eines der wichtigsten Erdölzentren Nigerias. Auf einer Fläche von mehr als 1.000 km² leben ca. 500.000 Menschen, überwiegend von Fischfang und Ackerbau.
Anfang der 1990er Jahre mobilisierte Saro-Wiwa hunderttausende Ogono zu friedlichen Protesten gegen Shell, wie 1993 , als er 300.000 der 500.000 Einwohner*innen zu einer friedlichen Demonstration mobilisierte. Um die Proteste zu unterdrücken und einen Imageschaden zu verhindern, bat der Shell-Konzern das Militärregime um Hilfe. Das Militär besetzte Ogoni-Land und schlug den Protest blutig nieder. Dabei wurden über 1000 Menschen getötet, Zehntausende wurden vertrieben und Unzählige inhaftiert. So auch der Anführer, Ken Saro-Wiwa.
In einem Schauprozess verurteilte ein Militärtribunal Saro-Wiwa und die acht weiteren Aktivisten wegen angeblicher Anstiftung zum Mord zum Tode. Bis heute wurde niemand für den Mord an ihnen zur Rechenschaft gezogen. Um einer Verurteilung durch ein US-Gericht wegen Menschenrechtsverletzungen zu entgehen, zahlte Shell 15 Millionen Dollar als Entschädigung an die Angehörigen von Ken Saro-Wiwa – ein unverkennbares Schuldeingeständnis. Jedoch bekamen die Angehörigen der acht weiteren Aktivisten keine Entschädigung.
Shell fördert 39% des nigerianischen Erdöls, besitzt dort mehr als 6000 km Pipelines und über 1000 Ölquellen. Hauptsächlich aufgrund mangelnder Instandhaltung und Schutzmaßnahmen gegen Sabotage und Öldiebstahl versickern im Niger-Delta jährlich Millionen Tonnen Rohöl. Obwohl das UN-Umweltprogramm bereits 2011 mit einer aufsehenerregenden Studie auf das Ökodesaster hinwies, fehlen bis dato erkennbare Schritte, um für die angerichteten Schäden aufzukommen und das Niger-Delta zu sanieren. Das Delta gilt mittlerweile als schlimmster Ökozid-Hotspot weltweit. Es fehlen Trinkwasser, Schulen, Elektrizität und Gesundheitsversorgung.
Shell ist verantwortlich für die Ermordung der Ogoni 9 und für die andauernde Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen im Niger-Delta.
„Blut ist geflossen, unser Land wurde verseucht, und die Welt erhitzt sich. Wir fordern Gerechtigkeit für unsere Helden, ein Ende der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – die wirkliche Klimaschutzmaßnahme – und die Sanierung aller verseuchten Gebiete und Reparation für Ökozid“ sagt der bekannte nigerianische Autor und Umweltaktivist Nnimmo Bassey.
Die Kasseler Aktivist*innen unterstützen diese Forderung. Auch in Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart, Bochum, Düsseldorf, Oberhausen, Aachen, Hildesheim und Flensburg finden diese Woche Gedenkveranstaltungen für die Ogoni 9 statt – 30 Jahre nach dem Höhepunkt der Proteste gegen Shell im nigerianischen Ogoni-Land.